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Mit Superathleten durch die Rockies
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Rasante Fahrt im Hundeschlitten im Banff National Park in Alberta
 


Im Hundeschlitten geht es durch die verschneite Bergwelt der kanadischen Rocky Mountains.


Über dem Felsmassiv des Lake Louise geht die Sonne auf. Ein mystischer Moment.


Alles an Bord? In vollem Lauf dreht sich einer der Schlittenhunde zu seinem Musher um.


Musher Megan bereitet ihre Tiere auf die Ausfahrt vor. Die Superathleten auf vier Pfoten bekommen vorher nahrhaftes Futter und Wasser. Zum Treffpunkt mit den Touristen werden die Hunde in einem speziell ausgerüsteten Truck mit kleinen Transportboxen gebracht.


In rasantem Tempo ziehen die Alaskan Huskys den Schlitten durch den Schnee. Touristen können für kurze Zeit vom Schlitten auf die Kufen wechseln. Der Musher behält aber das Kommando.


Die Ausflügler werden in warme Daunenschlafsäcke und Planen gepackt. Wärmender Kleidung und Schuhwerk ist Pflicht – bei minus 18 Grad Celcius.


Die Alaskan Huskys sind hervorragend für das harte Leben in den Rockies ausgestattet. Neben Futter und guter Pflege benötigen sie vor allem Eines: viel Bewegung.


Der Warnhinweis für Besucher des Banff National Parks, dass hier Grizzlies durch die Wälder streifen, ist zugeschneit. Die Bären halten tiefen Winterschlaf.


Das Hotel Fairmont Chateau Lake Louise steht seit 1890 am Ufer der Perle der kanadischen Rocky Mountains.


Nach der Hundeschlittenfahrt bei eisigen Temperaturen empfiehlt es sich, im Fairmont Chateau Lake Louise bei einer heißen Tasse englischen Tees die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.

 

BANFF/ALBERTA. Lautes Bellen wird zu markerschütterndem Jaulen. Immer wieder werfen sich die Hunde ins Geschirr. Die Erschütterungen werden von der Leine nach hinten auf den Schlitten übertragen. Während sich der Schwarze im Schnee wälzt, nimmt der Braune eine Schnauze voll von der weißen Pracht. Die Minuten bis zur Abfahrt zerren an den Nerven – bei Mensch und Tier. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Dick eingepackt in Daunenschlafsäcke und Zeltplanen gegen die Kälte wartet der Fahrgast auf den Beginn des Abenteuers: eine Hundeschlittenfahrt im Banff National Park der kanadischen Provinz Alberta.

Hundeschlittenführerin Megan weist den Tieren die Positionen innerhalb des Teams zu. Einer nach dem anderen wird vor dem Schlitten angebunden. Die Spannung steigt. Sie ist trotz – oder gerade wegen – der unbarmherzigen Kälte spürbar.

Minus 20 Grad Celcius. Gefühlt sind es deutlich mehr. „Alright“, ruft die Kanadierin in die verschneite Landschaft hinaus. Los geht es also. Auf diesen Befehl haben die Hunde gewartet.
Megans Ruf sammelt die Kräfte der einzelnen Tiere zu einer Masse an Energie, die sich nun in Bewegung entlädt. Ein kurzer Ruck geht durch den hölzernen Schlitten, dann noch einer. Schließlich gleitet das Gefährt dahin. Die Kufen knirschen auf dem vom Frost gehärteten Schnee.

„Easy, easy.“ Megan zieht das kurze Wort in die Länge. Die Tiere hören aufs Kommando und drosseln ihr Tempo. Bis in die Schwanzspitze motiviert sind die sechs Alaskan Huskies, die kraftvoll den Schlitten durch die verzaubernde Winterlandschaft ziehen.

Stattliche Bäume, die unter der Schneelast stöhnen, Berge, deren weiße Gipfel sich vom Blau des Himmels abgrenzen, kleine Wasserläufe, die gurgelnd unter einer dicken Eisschicht hindurchfließen: Es ist, als ob man ein Detail auf einer Postkarte ist.

Am Horizont taucht die Sonne einen schneebedeckten Gipfel in gleißendes Licht. Er ist ein kleiner Ausschnitt des Bergmassivs, das sich über 4500 Kilometer von Kanada bis in die USA hinein, von Alaska bis New Mexico, erstreckt. Eingebettet darin sind endlose Wälder, Wiesen, Flüsse und türkisblaue Seen.

Perle der kanadischen Rockies

Einer der wohl berühmtesten Seen ist der Lake Louise. Er wird auch die „Perle“ der kanadischen Rocky Mountains genannt und liegt eingebettet in ein kleines Gletschertal im Banff National Park. Kanadas ältester Park, der 1885 gegründet wurde und UNESCO-Welterbe ist, zieht jedes Jahr vor allem im Sommer zig Tausende Besucher an.

Wenn Megan und die Alaskan Huskies von „Kingmik Dogsled Tours“ ihrer Arbeit nachgehen, dann beherrschen jedoch Schnee und Eis die Bergwelt. Auch wenn es die meisten Touristen in das Lake Louise Ski-Gebiet mit seinen traumhaften Puderschnee-Abfahrten zieht, so bringt die Fahrt im Hundeschlitten die Natur näher. Die Stille der Wälder wird nur unterbrochen durch das Knirschen der Kufen und das Hecheln der Hunde.

Die Reise hatte am Morgen um 10.30 Uhr, nur wenige Meter vom Hotel Fairmont Chateau Lake Louise, ihren Anfang genommen. Dort fanden die ersten zaghaften Annäherungen zwischen Fahrgast und Vierbeiner statt. „Darf ich Sie den Hunden vorstellen?“, fragt Megan. Grace, Trigger, Damsel – die anderen Namen werden vom eisigen Wind davongetragen. Zumal die ersten beiden Tiere Streicheleinheiten einfordern.

Schnell wird klar, welch Charaktere sich in diesem scheinbar bunt zusammengewürfelten Haufen tummeln. „Sie sind wie kleine Kinder, wie Menschen“, sagt Megan. Seit 17 Jahren ist sie Hundeschlittenführerin, die hier „Musher“ heißen. Die Kanadierin kennt alle ihre Schlittenhunde mit Namen.

Immerhin 50 Tiere hat sie. Sie kennt die Eigenheiten, Stärken und Schwächen. Unter den Tieren gibt es Schüchterne, Clowns, Raufbolde, Neugierige, Demütige, Ängstliche und Anführer.

„Das sind Superathleten“, sagt Megan. Alaskan Huskies seien gezüchtet, um Lasten zu ziehen und zu rennen. Der schmale Körperbau und die langen, schlanken Beine sind sichtbare Zeichen dafür. Topathleten können ihre Leistung nur dann abrufen, wenn die Voraussetzungen stimmen. Die Tiere brauchen neben Protein- und fettreicher Ernährung, wie zum Beispiel Hühnchen, vor allem eines: Training. Auch, weil sie an großen Hundeschlitten-Rennen teilnehmen. Spitzenteams können 160 Kilometer in rund zehn Stunden bewältigen.

Heute geht es für die Vierbeiner nicht um Trophäen, es wird schlicht gearbeitet. Trigger führt die Gruppe an. Der schwarze Rüde ist Leithund des sechsköpfigen Gespanns. „Wir spannen immer zwischen sechs bis zehn Tiere vor einen Schlitten.“ Je nach Wegbeschaffenheit und Ladung. Die Sechs sind seit zwei Tagen nicht mehr gelaufen, weswegen sie jetzt „richtig heiß“ sind, wie Megan erklärt.

Ihren Gemütszustand jaulen und bellen die Hunde lautstark in die Wildnis hinaus. Die Töne zerren an den Nerven, die Hunde an der Leine. Zum Glück bleiben es einzelne Vorstöße. Der wohl als Anker gedachte Haken, der neben dem Schlitten im Schnee liegt, sieht nicht wirklich vertrauenerweckend aus. Die vierbeinigen Superathleten warten auf den Befehl ihres Rudelführers.

Whoa, Gee und Haw

Der hat zwei Beine und sieht in seiner dicken Daunenjacke mit fellbesetzter Kapuze fast wie ein Astronaut aus. Megan: „Als Anführerin gebe ich ihnen Sicherheit und Ordnung.“ Als „Musher“ formt sie ihre Befehle als kurze Worte oder aber einfache Laute, wie zum Beispiel „Whoa“ für Stopp, „Gee“ für rechts, „haw“ für links.

Für die Hunde zählt jedoch im Augenblick nur: „Alright!“ Los geht es. Tiefer und tiefer kriecht der Fahrgast unter die Plane, die Schutz bieten soll vor dem beißend-kalten Wind des Morgens und dem aufwirbelnden Schnee. Die zwei Daunenschlafsäcke werden zurechtgezupft. Nirgends darf eine Öffnung bleiben, durch die Körperwärme entweichen kann.

Trotz der Kälte spürt man nach ein paar Kilometern die entspannende Wirkung einer grandiosen Bergwelt gepaart mit der Stille des Waldes. Genuss stellt sich ein. Etwas später wird der Fahrgast aus seinen Träumereien gerissen. Megans „Whoa“ bringt die Schlittenhunde zum Stehen. Es ist Zeit, die Perspektive zu wechseln.

Eine schmale Kufe steht dem Nachwuchs-Musher am hinteren Teil des Schlittens zur Verfügung. Rudelführerin Megan gibt von der zweiten Kufe aus weiter Kommandos. Die steifen Gliedmaßen tun sich anfangs schwer, das Gleichgewicht zu halten. Nach 15 Minuten geht es auf eigenen Wunsch zurück unter Plane und Daunenschlafsack. Die Gedanken schweifen während der Schlittenfahrt wieder ab. In eine Zeit, als Trapper ihre Bestimmung und Siedler eine neue Heimat suchten; und nach Wegen, das Bergmassiv zu passieren.

Es waren Arbeiter einer Eisenbahngesellschaft, die hier im südlichen Teil der kanadischen Rockies 1883 heiße Quellen fanden und ihre Bedeutung richtig einschätzten. Sie gründeten den Ort Banff, der rund 135 Kilometer westlich von Calgary liegt, der größten Stadt Albertas.

Mit der Eisenbahn kamen Geschäftsleute und bald auch die ersten Touristen. 1890 wurde das berühmte Hotel Chateau Lake Louise am Ufer der „Perle“ der kanadischen Rockies errichtet. Es beherbergt noch heute Gäste aus aller Welt. Und eben auch Abenteurer, die es nach einer knapp zweistündigen Reise im Hundeschlitten genießen, mit einem Kännchen heißen Tees wieder ihre Lebensgeister zu wecken.

Während die Wärme wohlig durch den Körper fließt, fällt der Blick auf den Lake Louise und seinen Rahmen aus massivem Gestein. Wieder ist da das Gefühl, ein kleines Detail einer Postkarte zu sein. Das Stimmengewirr ist menschlich. Die Schlittenhunde haben Feierabend.

Bilder und Text: Kerstin Wahl

     
 
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