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Wo Büffel über Klippen stürzen
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Head-Smashed-Buffalo Jump: Geschichte und Kultur der Blackfoot Indianer
 


Im Inneren des Informationszentrums ist die Klippe nachempfunden, über die die Blackfoot Indianer die Büffel in den sicheren Tod trieben.


Hier stürzten die Büffel zu Hunderten in den Tod. Informative Schautafeln erklären die Jagdmethode der Blackfoot Indianer.


Perspektive eines Bibers: Blick in das moderne Informationszentrum, das am Fuße des Head-Smashed-Buffalo-Jump in den Fels gebaut wurde.


Wie wohnten die Blackfoot Indianer? Das Innere eines Tipis.


Ein Tipi-Lager ist in der Ebene aufgebaut. Im Sommer können Touristen dort übernachten.


Das moderne Informationszentrum ist in den Fels gebaut. Nur wenig ist von außen sichtbar.


Ausgebleichte Schädel von Büffeln sind aufgeschichtet.


Auf Zeichnungen sind riesige Büffelherden zu sehen, die einst die Prärie Albertas bevölkerten.


Eine historische Fotografie zeigt einen Jäger, der sich stolz mit Gewehr auf einem Berg von Bisonknochen zeigt. Mit der Ankunft der Weißen verschwanden die Büffelherden und mit Ihnen die Lebensgrundlage der First Nations, der Ureinwohner.


Auf mehreren Ebenen wird die Geschichte und Kultur der First Nations dargestellt.

 

ALBERTA. Das gleißende Sonnenlicht wirkt wie ein Heizstrahler. Aus jedem Grashalm, der die scheinbar unendlich weite Prärie bedeckt, brennt er das Grün heraus. Zurück bleibt die Farbe braun - in allen Schattierungen. Farblich passt sich das Land damit der Sandsteinklippe an, die schroff in den stahlblauen Himmel ragt. An ihrem Fuße, direkt in den Fels gebaut, schützt eine Tür Geschichte und Kultur eines Volkes: die der Blackfoot Nations. Die historische Stätte in der kanadischen Provinz Alberta, die zum UNESCO-Welterbe zählt, trägt den Namen „Head-Smashed-In Buffalo Jump“.

Der Ort ist mit bedacht gewählt, gingen hier doch deren Vorfahren vor etwa 6000 Jahren auf Büffeljagd. Mit nicht mehr bewaffnet als Speeren, trieben diese die gewaltigen Tiere über die Klippen in den sicheren Tod, um sich von ihrem Fleisch zu ernähren.

Es ist schon ein kleiner Kraftakt, die meterhohe Tür, mehr ein Tor eigentlich, aufzuziehen. Wer die Schwelle überschreitet, wird in eine längst vergangene Zeit katapultiert. 6000 Jahre zurück, als die Büffel noch zu Zigtausenden die Prärie bevölkerten und die Lebensgrundlage der Ureinwohner waren.

Haben sich die Augen nach der langen Autofahrt von der Provinzhauptstadt Calgary Richtung Süden an das angenehm diffuse Licht im Inneren des Berges gewöhnt, wandert der Blick sofort nach oben. Die Klippe selbst ist hier noch einmal nachgebildet.

An deren oberem Rand stehen drei Büffel, ausgestopfte Exemplare der massigen Tiere. Der Besucher blickt vom „Abgrund der zu Tode gestürzten Bisons“, so die Übersetzung von „Buffalo Jump“, nach oben und nimmt so automatisch den Blickwinkel des jungen Kriegers ein, der der Legende nach die herabstürzenden Tiere aus nächster Nähe beobachten wollte. Als immer mehr der massigen Körper die Klippe hinabstürzten, erdrückten sie den jungen Mann, der an dem Fuß des steilen Felsen stand. Die Blackfoot nennen diese Stelle daher „where he got his head smashed in“ - wo sein Schädel zerschmettert wurde.

Die Geschichte Albertas ist geprägt durch die Kultur der „First Nations“ – der Ureinwohner der westkanadischen Provinz. Der Head-Smashed-In Buffalo Jump zählt sicherlich zu den eindrucksvollsten Stätten der First Nations in ganz Nordamerika. Im Süden Albertas, an den östlichen Hängen der berühmten Rocky Mountains, etwa 18 Kilometer von Fort Macleod und rund 180 Kilometer von Calgary im Norden entfernt, bewahren die Nachfahren jener Büffeljäger mit Stolz ihre Geschichte und Kultur.

Stolz auch deshalb, weil der weltweit älteste und größte Büffelsprung 1981 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Die „Blackfoot Nation“ präsentieren an diesem historischen Ort, wie vor etwa 6000 Jahren ihre Vorfahren diese spezielle Technik bei der Bisonjagd anwandten. Mit nicht mehr als Lanzen bewaffnet und mit einfachen Werkzeugen ausgestattet, versetzten sie durch Lärm die Kolosse in Panik und konnten sie so über den Rand der Klippen in den sicheren Tod treiben.

Die Bisons dienten ihnen als ihre Lebensgrundlage. Sie verarbeiteten die größten Landsäugetiere Nordamerikas buchstäblich mit Haut und Haaren: das Fleisch zu Trockenfleisch (Pemmikan), das Fell zu Kleidung und Tipis, die Sehnen zu Seilen, und Knochen und Hufe zu Werkzeug.

Erfolgreiche Jäger auf Wanderschaft

Die Blackfoot Indianer waren Nomaden, deren Wanderungen sich nach den Wanderungen der Bisonherden, nach dem Wetter und nach der Jahreszeit richteten. Sie galten als stolzes Volk und waren erfolgreiche Jäger, die die Region vom nordlichen Teil des Saskatchewan River in Alberta bis zum Yellowston River in Montana und von den Rocky Mountains bis zu den Cypress Hills an der Grenze von Alberta nach Saskatchewan kontrollierten.

Der Begriff Blackfoot ist im Übrigen der Oberbegriff unter dem sich drei Stämme vereinten. Zum einen die Blackfoot (Siksika), die Bloods (Kainai) und die Peigan (Pekuni). Jeder Stamm war unabhängig. Sie sprachen aber alle dieselbe Sprache und waren Verbündete.

Aber zurück in die Gegenwart: In dem modernen, siebenstöckigen Informationszentrum, das diskret in die Sandsteinklippen hinein gebaut ist, geben die Blackfoot dem wissensdurstigen Besucher vieles an die Hand, um ihm ihre Kultur näher zu bringen.

Sehenswert ist der Film über die Büffeljagd, der in einem kleinen Kinosaal gezeigt wird. Er schildert einfühlsam, aber auch spannungsgeladen, den Überlebenskampf eines Stammes in einer längst vergangenen Zeit. Wie die Männer auf der Jagd vorsichtig und mit List die mächtigen Tiere umkreisten, sie langsam vor sich hertrieben, um dann, im richtigen Moment, durch Schreie die vierbeinigen Kolosse aufzuscheuchen.

Wie Dampfwalzen auf vier Beinen donnerten sie, blind vor Angst, in ihr Verderben. Im schnellen Lauf – in Panik können die Kolosse bis zu 50 Stundenkilometer schnell sein - und ihrem Herdentrieb und damit dem Leittier folgend, konnten die Büffel die Gefahr nicht rechtzeitig erkennen und stürzten kopfüber in die Tiefe. Die Bilder des Films lassen dem Zuschauer den Puls in die Höhe schnellen. Am Ende wird daher ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass kein Tier während der Dreharbeiten zu schaden gekommen ist. Ein durchaus wichtiger Zusatz.

Wissenschaftler auf Spurensuche

Die Jagdmethode war übrigens bis zur Verbreitung von Gewehren üblich, und Archäologen fanden heraus, dass sie am „Head-Smashed-In Buffalo Jump“ letztmals 1850 praktiziert worden sein muss. Dass sich die Wissenschaftler hier aufgehalten haben, um auch anhand der hier gefundenen Millionen Tierknochen und Werkzeuge der Ureinwohner die Vergangenheit zu erforschen, darauf weist ein kleines Lager am Fuße der nachempfundenen Sandsteinklippe im Blackfoot-Informationszentrum hin.

Am Fuße der Klippe beginnt dann auch der Rundgang durch die Geschichte und Kultur der First Nations. Die Themen Ökologie, Mythologie, Lifestyle und Technologie der Ureinwohner verteilen sich auf mehrere Ebenen im Inneren des Gesteins.

Zu erfahren ist zum Beispiel, dass die Blackfoot Nation auch als Siksika Nation genannt wird: „Blackfoot“ bedeutet in der indigenen Sprache „Siksika“. Großartige Schautafeln geben umfassende Informationen über Büffeljagd, die dabei angewandten Techniken und ihre spirituelle Bedeutung.

Ein Pfad führt von der obersten Terrasse des Gebäudes die Klippe entlang und bietet wunderbare Ausblicke auf die Prärie im Osten und auf das Terrain im Westen, das die Ureinwohner so geschickt nutzten, um die Büffelherden in den Tod zu treiben. Im Sommer stellen die Blackfoot im Übrigen in der Ebene und damit weithin sichtbar auch Tipis auf, Auch Abenteuerlustige kommen voll auf ihre Kosten, denn auf Wunsch ist eine Übernachtung in einem Tipi möglich.

Am 21. Juni, dem National Aboriginal Day, erwartet Urlauber beim Head-Smashed-In Buffalo Jump ein Programm, das zugleich unterhaltsam und lehrreich ist. Stammesälteste erzählen Geschichten, und traditionelle Pow-Wow-Tänze werden von Trommelmusik begleitet. Dieser Feiertag steht im Zeichen der Ureinwohner und würdigt ihren Beitrag zur heutigen kanadischen Kultur.

Alberta, die Heimat der kanadischen Rocky Mountains, ist die viertgrößte Provinz Kanadas mit einem Gebiet von insgesamt 661185 Quadratkilometern und einer Bevölkerung von drei Millionen. Alberta befindet sich im kanadischen Westen und ist eine der reichsten Provinzen des Landes. Alberta ist über die internationalen Flughäfen von Calgary und Edmonton erreichbar.

Text und Bilder: Kerstin Wahl

     
 
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