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In grandioser Natur auf Spuren alter Westernhelden
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Im US-Bundesstaat Utah rückte einst John Wayne mit der Kavallerie aus
 


Bette L. Stanton und Colin Fryer haben auf der Red Cliffs Lodge in der Nähe von Moab ein kleines Filmmuseum eingerichtet. "The Duke" John Wayne darf dort natürlich nicht fehlen.


Im Monument Valley rief nicht nur der bekannte Regisseur John Ford seinen Westernhelden "and action" zu.


Ein Navajo-Indianer stellt sich für Touristen als Fotomodell im "Monument Valley" zur Verfügung.


Das Filmplakat zu dem Westernklassiker "Rio Grande", der in der Nähe von Moab gedreht wurde.


Die Tafelberge im Südosten Utahs sind Fans von Westernfilmen bestens bekannt.


Ein Cowgirl trainiert auf der "Red Cliffs Lodge" ihr Pferd.


Im Museum auf der "Red Cliffs Lodge" erinnern Fotos daran, welche Musikvideos in der Gegend gedreht wurden.


Auf dem Pferd lässt sich die wunderschöne Natur am besten entdecken und erleben.


Fotomotive gibt es zuhauf im "Monument Valley".


Auch im Canyonlands National Park wurden -und werden - die Filmregisseure auf der Suche nach neuen Motiven fündig.

 

MOAB/UTAH. Ihre Augen sprühen Funken vor Begeisterung. Wenn Bette L. Stanton in ihrem Gedächtnis nach Geschichten über Stars und Sternchen aus Hollywood kramt, dann ist das so, als ob ein Filmlexikon aufgeschlagen wird. „Sehen Sie da oben, da bin ich mit Arlene Dahl.“ Sie zeigt auf ein Bild, das sie mit der Hauptdarstellerin von „The Outriders“ zeigt. Das war 1949. Als Double hat sie damals gearbeitet. „Und hier“, Bette L. Stanton blickt nach unten auf eine Fotografie: „Burt Reynolds in ,Fade in`. Ein gut aussehender Mann, oder?“ Ihr Lächeln lässt da ein Gefühl vermuten.

Darauf angesprochen, gesteht die elegant gekleidete, grauhaarige Dame, als junge Frau in den Helden zahlreicher Actionfilme verliebt gewesen zu sein. Und es habe auf Gegenseitigkeit beruht. Ein fragender Blick. „Hier hatte er noch Haare“, lenkt sie mit ihrer witzigen Bemerkung sofort geschickt vom Thema ab. Sie schlendert durch das „Moab Museum of Film and Western Heritage“. Die Räume in der „Red Cliffs Lodge“ sind voller Erinnerungsstücke an unvergessene Westernklassiker wie „Wagon Master“ - zusammengetragen von Bette L. Stanton. Mit Colin Fryer, dem Besitzer der Ranch und des Weinguts, hat sie das kleine Museum gestaltet.

Hier hängen Bilder von Schauspielern aus Hollywood - längst vergessene, aber auch aktuelle. Es gibt Requisiten aus modernen Filmen wie „Thelma und Louise“ zu bewundern, Tom Cruise blickt ernst vom Kinoplakat zu „Mission Impossible II“ auf den Betrachter. Vor einem lebensgroßen Pappkameraden bleibt Bette L. Stanton länger stehen: „The Duke“. Er ist wohl einer der bekanntesten amerikanischen Westernhelden aller Zeiten: John Wayne. „Ihn habe ich leider nie kennen gelernt“, gesteht sie. „Ich könnte lügen, aber ich tue es nicht“. Ein bisschen wehmütig klingt es. Zumal John Wayne zu den Pionieren zählt, die die Heimat von Bette L. Stanton für das glamouröse Hollywood entdeckten.

Es ist eine unglaublich faszinierende Landschaft, die der Reisende im Südosten des Staates Utah vorfindet. Selbst wer noch nie durch die Canyons gefahren, noch nie zu Fuß über die karge Prärie gelaufen, noch nie bei Sonnenuntergang das tiefe Rot der Bergformationen erlebt, noch nie auf den langsam fließenden Colorado River geschaut hat, dem wird all dies dennoch merkwürdig bekannt vorkommen.

Die Gegend rund um die amerikanische Kleinstadt Moab diente - und dient - in unzähligen Klassikern, aber auch in modernen Kinostreifen und Werbespots immer wieder als großartige Filmkulisse. Welcher Westernfan erinnert sich nicht an den legendären Moment, als Oberstleutnant Kirby Yorke seine Kavallerie aus dem Fort in den Kampf gegen die Apachen führte. Wer anders hätte diese Rolle besser ausfüllen können als „The Duke“. In „Rio Crande“ spielte 1950 an seiner Seite Maureen O`Hara, Regisseur war der weltberühmte John Ford. Er war es, der nicht nur sich selbst und seinen Filmhelden, sondern auch dem Land mit seinem Meisterwerk ein Denkmal setzte. Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch diese von der Natur so grandios gestaltete Kinokulisse ist Moab.

Spielplatz für Naturliebhaber

Üblicherweise zieht dieses 6000 Einwohner zählende Städtchen das ganze Jahr über Mountain-Biker, Wanderer oder Wildwasser-Kanuten an. Nicht umsonst hat es sich in den letzten Jahren zu einem der größten Spielplätze für Naturliebhaber entwickelt. Von hier aus schnell zu erreichen sind der Arches National Park mit seinen über 2000 Natursteinbögen und der Canyonlands National Park.

Wer von Moab aus in Richtung Norden fährt, biegt nach wenigen Kilometern nach rechts auf den Highway 128 ab. Die schmale Straße schlängelt sich am Colorado River entlang, schmiegt sich an einigen Stellen eng an die Felsen. Hier ist deutlich weniger Verkehr als auf den großen Verbindungsstraßen. Als sich die Felsmassive auseinanderfalten und ein Tal freigeben, fühlt sich der Reisende in eine andere Zeit versetzt - und in seinem Auto mit 100 Pferdestärken etwas deplatziert.

Einige Kilometer weiter taucht auf der linken Seite die „Red Cliffs Lodge“ auf, der die roten Sandsteine, die sie umgeben, den Namen gegeben haben. Direkt an der Straße ist ein großer „Corral“, in dem Pferde träge in der Nachmittagssonne dösen. Cowgirls und Cowboys laufen geschäftig umher. Wer ist da nicht versucht, anzuhalten und das Fortbewegungsmittel zu tauschen? Jeder, der den Westernhelden längst vergangener Zeiten näher kommen möchte, das Land spüren will, der sollte dies auf einem Pferd tun. Ein Ausritt weit ab der Zivilisation über kargen Boden lässt erahnen, unter welchen Bedingungen die Geschichte der Cowboys und Indianer von Regisseuren wie John Ford in den 40er Jahren auf Schwarz-Weiß-Film gebannt wurde.

Unbarmherzig brennt die Sonne, Schatten sucht man vergebens. Kühlender Regen ist im Südosten Utahs äußerst selten, wie überhaupt Wasser ein kostbares Gut ist. Beruhigend ist einzig die Nähe zum Colorado River, der sich durch die Täler schlängelt. Der Fluss war es, der über die Jahrtausende gemeinsam mit heißem Wind und geologischen Phänomenen diese faszinierende Landschaft formte ¬ und noch formt. Langsam setzen die Pferde die Hufe voreinander, weiter hinein geht es in das Tal ¬ auf den Spuren des „Duke“.

Zurück auf der Ranch ist der Besuch des „ab Museum of Film and Western Heritage“ im Keller des Hauptgebäudes eine wohltuende Erholung. Am Eingang hängt das Plakat von „Rio Grande“ mit einer Liebesszene von John Wayne und Maureen O¹Hara. Im Inneren geht man auf Entdeckungsreise und holt sich für den nächsten Ausflug Inspiration.

Alte Fotografien eines weiteren Westernklassikers ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. „Wagon Master“ (Westlich von St. Louis) kam 1949 in die Kinos. Der Mormonentreck, der sich auf der Fahrt nach Westen gegen Banditen wehren musste, zog durch Professor Valley, vorbei an den Felsformationen „Fisher Towers“, „The Priest“ und dem „Nuns Butte“, im Hintergrund ragen majestätisch die La Sal Mountains in den blauen Himmel. Das Erlebte macht Lust auf mehr Westernatmosphäre, auf mehr Spaziergänge durch unvergessene Filmkulissen.

Riesenfäustlinge und Tafelberge

So horcht der neugierige Reisende auf, als das Wort „John-Ford-Country“ fällt. Nach dem Regisseur ist nämlich nicht nur die Gegend um Moab benannt. „Sein“ Land erstreckt sich bis weit in den Süden Utahs, bis zur Grenze nach Arizona. Hier bauen sich steinerne Riesenfäustlinge und nadelspitz zulaufende Felstürme auf, die Tafelberge sind aus feuerrotem Sandstein.

Willkommen in „Monument Valley“ - wo alles begonnen hat. Allerdings gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, wer als erster „Action“ durch die klare Luft des Tales brüllte. Die Filmexpertin Bette L. Stanton, die die „Moab to Monument Valley Film Commission“ mit geprägt hat, schreibt in ihrem Buch „Where God put the West“, dass dies Regisseur George B. Seitz Anfang der 20er Jahre gewesen sei. Sein Film “The Vanishing American” flimmerte 1925 über die Leinwand und brachte so weltweit die grandiose Natur auf die Leinwand, die noch heute Millionen Besucher aus aller Welt fasziniert.

Im „Monument Valley“ wurde zum Beispiel „My Darling Clementine“ (1946) und „Back to the Future III“ (Zurück in die Zukunft III/1988) gedreht. Genaueres erfährt man bei einem Stopp in der „Goulding¹s Lodge“. Hier ist, ähnlich wie in der „Red Cliffs Lodge“, in dem „Gouldings Museum and Trading Post“ viel über die Filmgeschichte zusammengetragen worden.

Die Tafelberge und Felstürme tragen Namen wie „Sentinel Mesa“, „Mitchell Butte“ oder „Big Indian“, sie alle dienten schon als Filmkulisse. Und sie sind auch heute noch so spektakulär wie vor über 50 Jahren, als sie Hollywoods Regisseure faszinierten und die glamourösen Stars und Sternchen nach Utah lockten.

Text und Bilder: Kerstin Wahl

Erschienen in der Zeitungsgruppe Zentralhessen: Gießener Anzeiger, Usinger Anzeiger, Kreis Anzeiger, Lauterbacher Anzeiger, Gelnhäuser Tagblatt.
Journal Verlagsgruppe Rhein-Main

     
 
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