
Orang-Utans leben im Pongoland in Leipzig.

Kinder haben in Pongoland viel Spaß. Nur durch eine Glasscheibe getrennt, können sie mit den Orang-Utans kommunizieren.

Unter einer riesigen Glaskuppel verbirgt sich das Wohnzimmer der Menschenaffen: Pongoland. Das Außengehege ist großzügig gestaltet und bietet viel Freiraum für die Tiere.

Der Schimpanse nutzt die zahlreichen Klettermöglichkeiten des Außengeheges.

Wie in einem Dschungel fühlt sich der Besucher, der Pongoland betritt.

Ein bisschen skeptisch schaut dieser Gorilla und beobachtet die Menschen sehr genau.

An den Felsen im Dschungel gibt es viel über die Menschenaffen zu lernen.

Bei den Schimpansen ist immer was los.

Das Orang-Utan-Männchen ist der Kopf der Gruppe. Er macht es sich meist auf dem höchst gelegenen Aussichtpunkt bequem.

Die Pfleger haben alle Hände voll zu tun, um die haarigen Gesellen satt zu bekommen. Dabei wird beim Futter sehr auf Frische und Qualität geachtet.
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LEIPZIG. „Hallo Affe, hallo Affe!“ Der kleine Patrick juchzt vor Freude, als sich der zottelige Geselle langsam auf ihn zu bewegt. Der Orang-Utan formt seine Lippen zu einem Kuss. Der Junge nimmt das Spiel an, nähert sich langsam mit seinem Gesicht und drückt seinen Mund gegen das Glas. Nur Sekunden dauert das Schauspiel, dann trollt sich der cognacfarbene Menschenaffe. Kein Interesse mehr. In Pongoland erwarten Patrick noch viele dieser dem Menschen so nahen Verwandten. Denn neben den Orang-Utans leben dort Schimpansen, Gorillas und Bonobos Tür an Tür.
Vier Menschenaffen-Arten unter einem Dach ist ein weltweit einzigartiges Projekt, das möglich wurde durch die enge Zusammenarbeit des Max-Planck-Institutes und des Leipziger Zoos. Pongoland mit den behaarten Bewohnern ist einer der Publikumsmagneten im Leipziger Zoo.
Groß und Klein, Alt und Jung machen sich auf den Weg in den „Dschungel“, um die Tiere zu beobachten. Denn um den Primaten möglichst optimal ihrem natürlichen Lebensraum angepasste Bedingungen zu bieten, haben die Verantwortlichen ein 30000 Quadratmeter großes Areal mit exotischer Vegetation, durchzogen mit Wasserläufen und zerklüfteten Felsformationen gebaut.
Neben den großzügig gestalteten Außengehegen mit zahlreichen Klettermöglichkeiten ist die Tropenhalle das Herzstück von Pongoland. Schwül-warme Luft schlägt dem neugierigen Besucher entgegen, wenn er durch den Höhleneingang das Gebäude betritt. Er steht in den „Wohnzimmern“ der Menschenaffen, die durch Wände, Gräben und üppige Vegetation strickt voneinander getrennt sind.
Hier kann jeder den gewaltigen Orang-Utan-Mann „Bimbo“ genauso bestaunen wie den Herrscher über die Gorillas, den Silberrücken „Gorgo“. Die schlanken Bonobos tollen umher, während die 16-köpfige Schimpansen-Gruppe lautstark herumkrakelt. Und etwas abseits, in einem kleineren Bereich, kümmern sich Tierpflegerinnen um zwei zweijährige Schimpansen-Waisenkinder.
Gitterstäbe und Kacheln sucht der Besucher vergebens. Und diese Natur-Illusion übt, neben den eindrucksvollen Tieren, eine ganz eigene Faszination auf das Publikum aus. Doch nicht nur die Zoobesucher haben ein Auge auf Bimbo, Gorgo, Vimonto, Dunja und Co. geworfen.
Versteckte Kamera
Das Verhalten der Affen wird von versteckten Beobachtungstürmen aus verfolgt. Dort geben Wissenschaftler aus aller Welt ihrer Arbeit nach. Pongoland ist nicht nur ein Erlebnispark. Dahinter verbirgt sich auch - und vor allem - das Wolfgang-Köhler-Zentrum für Primatenforschung, eine
Forschungsstation des Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie.
„Die Anlage ist weltweit der einzige Ort, wo man vergleichende Verhaltensforschung an allen vier Menschenaffen-Arten betreiben kann“, erklärt Forschungskoordinator Jörg Noack. Die Wissenschaftler gehen in ihrer „rein beobachtenden Forschung“ der Frage nach: Wie nehmen Primaten die physische Welt um sich herum wahr, wie empfinden sie ihr soziales Umfeld? Wie lösen die Tiere knifflige Probleme? Wie benutzen sie zum Beispiel Werkzeuge, um verstecktes Futter zu suchen? Wie fit sind sie in Mathematik?
Fragen über Fragen, die eines deutlich machen: Das Verhalten der dem Menschen so nahen Verwandten gibt noch heute Rätsel auf. Um Antworten zu finden, beschränken sich die Forscher nicht nur darauf, von versteckten Nischen beziehungsweise durch Kameras die Tiere zu beobachten. Sie versuchen, in zahlreichen Verhaltens-Experimenten die Affen zu „Spielchen“ zu animieren. „Die Tiere entscheiden freiwillig, ob sie sich darauf einlassen wollen oder nicht“, sagt Jörg Noack.
Wilde Tiere
Der Zoobesucher hat übrigens die Möglichkeit, manchen dieser Spielchen zwischen den Wissenschaftlern und Affen beizuwohnen. In der Tropenhalle können sie, meist vormittags, mit etwas Glück, den Forschern durch ein Fenster über die Schultern schauen.
Wichtig ist den Wissenschaftlern, dass die Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans möglichst nicht in ihrem natürlichen Lebensrhythmus gestört werden. Alles wird vermieden, was die Tiere beeinflussen könnte. Denn nur dann zeigen sie ihr natürliches Verhalten. Und: Die Forscher sind immer durch eine Panzerglasscheibe von den Menschenaffen getrennt.
Allein schon aus Sicherheitsgründen. „Man darf nie vergessen, dass Affen wilde Tiere sind. Und damit gefährlich. Da sie Gruppentiere sind, empfinden sie jeden Eindringling als Bedrohung und würden versuchen, ihn zu töten“, macht Jörg Noack unmissverständlich deutlich.
Das wissen auch die 14 Tierpfleger, die sich um das Wohl der behaarten Gesellen kümmern. Sie unterstützen auch die Wissenschaftler bei ihren Forschungsarbeiten. „Wir kennen jeden Affen genau“, sagt Frank Schellhardt, der als Bereichsleiter für die Menschenaffen. Den Tierpflegern entgeht bei ihrer täglichen Arbeit nicht, ob eines der Tiere sich plötzlich auffällig verhält, ob es vielleicht krank, aggressiv oder phlegmatisch ist.
Alles wird notiert und fließt in die Forschungsarbeiten des Max-Planck-Institutes mit ein. Bis zu 60 Menschenaffen können im Leipziger Zoo untergebracht werden. „Die Affen sind von Zoos aus ganz Europa zu uns gekommen“, sagt Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. Einige der Tiere hätten schon etwas länger benötigt, um sich in den großzügig gestalteten Gehegen zu recht zu finden. Aber inzwischen haben sie im Pongoland ihr Zuhause gefunden.
Text und Bilder: Kerstin Wahl
Erschienen im Gießener Anzeiger. |