
Die Badlands erkundet man am besten auf dem Pferd. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit.

Nach einem heftigen Sommergewitter zeichnet die Sonne einen Regenbogen in den Himmel.

Das Musical, das in Medora gezeigt wird, erzählt viel über die Menschen und das harte Leben in den Badlands.

Kleine Jungs träumen davon, einmal Cowboy zu werden.

Cowboys treiben in den Badlands Kühe zusammen, um sie zu verkaufen.

Wer die Badlands spüren will, sollte an einem Camp teilnehmen. Auf Pferden geht es in die Wildnis, wo in Zelten übernachtet wird: Cowboy-Romantik.

Eine Abkühlung für Pferd und Reiter versprechen die wenigen Flüsse in den Badlands, die im Sommer nur wenig Wasser führen.

Mit Liedern halten die Menschen der Badlands die Cowboy-Romantik am Leben.
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MEDORA. Auf dem schmalen Pfad setzt das Pferd vorsichtig einen Huf vor den anderen. Der Weg schlängelt sich wie ein mäandernder Fluss durch verbranntes Grasland. Es ist heiß, über 40 Grad. Die Bewegungen von Mensch und Tier sind langsam, gar bedächtig. Aus dem kleinen Tal heraus führt der Weg steil nach oben, der Fuchswallach spannt die Muskeln und kämpft sich den Berg hinaus. Sein braunes Fell glänzt vor Schweiß.
Nur für einen kurzen Augenblick kommt Mitleid mit dem Tier auf, denn der Ausblick auf dem Plateau ist atemberaubend. Reflexartig bringt der Reiter durch einen leichten Ruck am Zügel das Pferd zum Stehen. Die Badlands von North Dakota liegen vor ihm: So weit das Auge reicht fasziniert diese unvorstellbar bizarre Landschaft den Betrachter.
Wie ein Scheinwerfer leuchtet die Sonne die in Jahrmillionen der Erdgeschichte durch Wind und Wasser entstandene Gesteins- und Lehmschichten an und hebt so die unterschiedlichen Färbungen hervor. Rot bis violett, gelb und schwarz sind die Hügel durchzogen, die sich in den stahlblauen Himmel strecken.
Schlagartig wird bewusst, dass diese Landschaft im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten von Menschenhand nahezu unberührt geblieben ist. Genau an diesem Ort könnte daher vor über 100 Jahren ein Trappper gestanden haben. Und das Bild, das sich ihm geboten hat, muss dem geähnelt habe, was der Betrachter auch heute noch vor Augen hat.
Ein überwältigendes Gefühl, das durch die Stille, die nur vom Ruf einiger Vögel durchschnitten wird, noch verstärkt wird. Badlands heißt das Gebiet im Westen des Bundesstaates North Dakota. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es „schlechtes Land“. Und für die Indianer, die in dieser Gegend lebten, und für die ihnen folgenden weißen Pelzjäger, Glücksritter und Siedler, war es kein leichtes Leben.
Die Witterungsverhältnisse mit heißen und kurzen Trockenperioden im Sommer, die eher seltenen, aber dafür um so heftigeren Regengüsse, und die kalten, langen Winter mit nur wenigen Schneefällen sind harte Bedingungen, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tier- und Pflanzenwelt. So verwundert es nicht, dass Gras die größte Fläche der Badlands bedeckt. Auch einige dornige Sträucher halten trotzig den extremen Witterungsbedingungen stand. Und in der Nähe einer der zahlreichen, meist jedoch ausgetrockneten Nebenflüsse des Little Missouri River, wo sich Feuchtigkeit am längsten hält, wachsen Bäume und andere Pflanzenarten.
In diese Oasen an den Flüssen trifft man auch die tierischen Bewohner der Badlands, Maltierhirsche, Bisons oder Vögel wie Wanderdrosseln, Elstern, Sperlinge oder Steinadler. Auf den Hügeln begegnen dem Abenteurer, der am besten zu Fuß oder auf dem Pferderücken die Badlands erkunden kann, auch Dickhornschafe, Gabelböcke und die doch recht zahlreichen und putzig anzuschauenden Schwarzschwanz-Präriehunde.
Die vor der Besiedlung durch die Weißen noch recht zahlreiche Tierwelt was es auch, die einen der wohl berühmtesten Söhne Amerikas in das Gebiet im Westen des US-Bundesstaates lockte: Der noch junge und völlig unbekannte Theodore Roosevelt kam im Jahr 1883 auf einem Jagdausflug zum ersten Mal in die Badlands. Und auch ihn beeindruckte dieses Land. Er versuchte sich hier als Viehzüchter und erwarb die Elkhorn Ranch. Er spürte das harte Leben unter den extremen Witterungsbedingungen und musste, wie viele andere vor und nach ihm, Misserfolge einstecken. Auch später, als er als Politiker Erfolg hatte und er 1901 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, vergaß er die Badlands nie. „Ich wäre wohl nie Präsident geworden, wenn ich nicht meine Erfahrungen in North Dakota gesammelt hätte“, wird er zitiert.
Medora und das Musical
Um ihn zu würdigen, wurde 1947 in den Badlands von North Dakota ein Gedenkpark geschaffen, der 1978 in eine Nationalpark umgewandelt wurde: der Theordore-Roosevelt-National-Park. Am südlichen Eingang des Parks liegt eine der wenigen kleineren Städte der Badlands: Medora.
Der Ort ist nach der Frau des Marquis de Mores benannt, eines französischen Edelmannes, der hier sein Glück suchte und scheitere. In den Sommermonaten für Touristen, vor allem für die Menschen North Dakotas selbst, ein Anziehungspunkt, bietet es vielen hundert Menschen eine Arbeitsstelle in einer ansonst strukturarmen Region.
Vor allem berühmt geworden ist die Kleinstadt für ihr Musical, das in einem eigens dafür gebauten Amphitheater gezeigt wird. Die Aufführung ist deshalb sehenswert, weil sie viel über die hier lebenden Menschen erzählt. Offen, warmherzig, von einem schier unbändigen Optimismus beseelt, zeigen sie sich auch als Patrioten. Und natürliche spielt auch Theodore Roosevelt in dem Musical eine große Rolle.
Der berühmte Name des ehemaligen US-Präsidenten ist es wohl auch, der die Touristen in das “schlechte Land" lockt. Für gewöhnlich brausen die vergnügungssüchtigen und erlebnishungrigen Touristen auf der Interstate 94, die sich schnurgerade von Ost nach West durch North Dakota und damit auch die Badlands zieht, vorbei. Bei 70 Meilen in der Stunde verwischt die Landschaft zu einem farblosen, ja sogar langweilig anmutenden Landstrich. Nur, wer den Fuß vom Gaspedal nimm und den Blinker an einer der wenigen Autobahnausfahrten setzt, nur dem erschließt sich diese einzigartige Landschaft.
Und wer das Glück hat, ja, wer das Glück hat, in den Sommermonaten ei Gewitter in den Badlands zu erleben, dem wird sich ein faszinierendes Farbenspiel präsentieren. Die Gewitterwolken bauen sich meist langsam und bedrohlich am Horizont aus, um sich dann in zahlreichen Blitzen am Himmel zu entladen. Die heftigen Regenfälle reinigen die durch die trockene Hitze meist staubige Luft. Und wenn dann nur kurz darauf die Sonne wieder scheint, werden wie von Künstlern in kräftigen Farben gemalte Regenbogen sichtbar. Und auch der Boden und die Hügel haben sich durch die Feuchtigkeit verändert. Die Badlands leuchten durch die in den Gesteinen vorhandenen Oxyde in rot bis violett oder aber in gelb und erzählen ihre Jahrmillionen alte Geschichte.
Alle Bilder: Kerstin Wahl
Erschienen: Zeitungsgruppe Zentralhessen (Gießener Anzeiger, Usinger Anzeiger, Gelnhäuser Tagblatt, Lauterbacher Anzeiger, Kreis Anzeiger)
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