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Lebendiger Himmel über schier endloser Weite
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Kanadas Provinz Saskatchewan bietet mehr als nur flache Prärielandschaft
 


"Land of living skies" nennen die Kanadier die Provinz Saskatchewan. Der Himmel scheint angesichts der unendlichen Weite der Prärie das einzige zu sein, was sich verändert.


Die Canadian Mounted Police gehört zu den modernsten Polizeieinheiten der Welt. In ihren schmucken roten Uniformen sind sie allerdings nur zu offiziellen Anlässen zu bewundern.


Eine gigantische Brücke führt in die Provinzhauptstadt Regina.


Saskatchewan ist auch das Land der Pferde und Cowboys, beziehungsweise Cowgirls, die über die weiten Ebenen jagen.


An historisch bedeutsamen Orten in Saskatchewan weisen großformatige Bilder auf Leinwänden auf besondere Ereignisse hin.


Wasservögel steigen über einem der Seen auf. Die kanadische Provinz ist Heimat vieler Vögel.


Eine Elchkuh mit ihren Kälbern durchstreift die Ebene.


Der Himmel leuchtet in der Abenddämmerung in unglaublich intensiven Farben.


Die Büffel bevölkerten einst zu tausenden die Prärie des Landes. Heute werden die gewaltigen Tiere von einigen Farmern gezüchtet und sind nur hinter Zäunen zu bewundern.


 

SASKATCHEWAN. „Wenn Ihr Hund in Saskatchewan ausbüxt, können Sie ihm drei Tage lang nachschauen.“ Diesen kleinen Seitenhieb hören die Bewohner der kanadischen Provinz verständlicherweise nicht gerade gern. Im Süden wird jedoch deutlich, warum man mit einem Augenzwinkern so über das Land spricht. Es ist gnadenlos flach. Kaum ein Baum streckt seine Zweige in den Himmel, kaum eine Erderhebung stört den Blick in eine scheinbar unendliche Weite.

Aber Saskatchewan ist vielfältiger: Auf 695900 Quadratkilometern im Herzen Kanadas finden sich neben der gleichförmigen Prärie im Süden ausgedehnte Wälder und kristallklare Seen und Flüsse im Norden. Diese Mixtur sorgt für eine große Bandbreite an Farben, die das Auge fesseln. Der scheinbar unendliche Himmel über der Prärie schimmert in intensivem Blau. Die Wolken, die vorüberziehen, lenken das Auge ab und faszinieren durch immer wieder neue Formationen.

Im Frühjahr ist das Land in ein sattes Grün getaucht. Braune Felsformationen stehen in starkem Kontrast zu geheimnisvoll dunklen Wäldern, Gold glänzt der Weizen im Herbst, und wenn sich die Ähren sanft im Wind wiegen, dann öffnet sich das Herz des Betrachters. Das Bild, das ein Mann mit Worten über seine Heimat malte, war die einer bunten Steppdecke, eines amerikanischen Quilts.

Die mannigfaltige Natur Saskatchewans ist daher auch das Reich vieler Tiere. Die zahlreichen Provinzparks, vor allem im Norden, sind ein Paradies für Vögel. Wenn die Steinadler durch die Lüfte schweben oder Pelikane zu Tausenden in die Lüfte steigen, wird die Metapher „land of living skies“ (Land des lebendigen Himmels) Wirklichkeit. Gabelböcke, Präriehunde und Klapperschlangen sind vielerorts anzutreffen. Der Süden ist ein Eldorado für Pferde. Sie sorgen, wenn auch domestiziert und hinter Zäunen, für Cowboy-Romantik.

Verschwunden von den endlosen Prärien sind dagegen die Bisons. Einst zogen sie zu Hundert-ausenden über das Land. Heute gibt es noch eine kleine Herde im Norden der Provinz. Und vereinzelt haben sich Farmer der Zucht der Tiere verschrieben. Die mächtigen Kolosse waren Nahrungsquellen für Indianer.

Als im späten 17. Jahrhundert die ersten Europäer als Forschungsreisende und Fallensteller nach Saskatchewan kamen, trafen sie auf Siedlungen der Ureinwohner. Im Norden waren das die Chipewyan, im Osten durchstreiften die Blackfoot-Indianer die Ebenen, im Westen hatten sich die Assiniboine niedergelassen. Das Gebiet der Cree erstreckte sich südwärts bis in die Ebenen. Aus ihrer Sprache stammt auch das Wort „kisiskatchewanisipi“, was übersetzt „der sanft fließende Fluss“ bedeutet und das der Provinz ihren Namen gab. Geschichten aus uralter Zeit sind überall zu finden.

Die Ureinwohner Saskatchewans, die First Nation, haben sich Stätten ihrer Kultur erhalten. Ein Zentrum liegt in der Nähe der zweitgrößten Stadt des Landes, Saskatoon. Im Wanuskewin Heritage Park, am South Saskatchewan River gelegen, glaubt man die Stimmen der Indianer zu hören, die hier „auf der Suche nach dem Seelenfrieden“ waren, so die Übersetzung des Cree-Wortes Wanuskewin. Auf Pfaden kann man heute dieses Gelände durchstreifen, vorbei an einem eheimnisvollen „medicine wheel“ (Medizinrad) und Tipiringen.

Und am „Buffalo Jump“ schließlich, einer Klippe, glaubt man das Hufgetrampel der Büffelherden zu hören, die hier, von Indianern getrieben, in die Tiefe stürzten. Schwer verletzt waren sie so eine leichte Jagdbeute für die Ur-Einwoher, die zu dieser Zeit noch keine Feuerwaffen in Händen hielten.

Als die Einwanderer Kanada langsam eroberten und immer tiefer in den Westen vordrangen, fanden sie fruchtbares Land vor. Trappern folgten Pelzhändler. Mit den Handelsposten wurden Grundsteine für Siedlungen gelegt. Die Farmer verwandelten das Weide- in Ackerland, und das Reich der Bisons wurde kleiner. Auch die Indianer wurden von den neuen Herren von ihrem Land vertrieben und in Reservate geschickt.

Mounties für Recht und Ordnung

200 Jahre besaß und verwaltete die Hudson¹s Bay Company die so genannten Nordwest-Territorien. Im Jahr 1870, nachdem erkannt worden war, welches landwirtschaftliche Potenzial und welche Besiedlungsmöglichkeiten das Land bot, kaufte die Regierung von Kanada die Territorien. 1905 trennte sich Saskatchewan von den Nordwest-Territorien und schloss sich der Konföderation an.

Dank der Eisenbahn drangen die Siedler immer tiefer in das noch unberührte Land vor. Mit ihnen kamen auch die Probleme. Es kam zu Unruhen, nicht nur mit den Ureinwohnern. Um für Ordnung und Frieden in den dünn besiedelten Gebieten zu sorgen, wurde 1873 die North West Mounted Police gegründet. Noch heute existiert diese Polizeitruppe, allerdings unter dem Namen Royal Canadian Mounted Police (RCMP). Die Frauen und Männer werden von den Kanadiern liebevoll “Mounties" genannt. Viele Geschichten ranken sich um die tapferen Männer, die Ende des 19. Jahrhunderts ihren Dienst in rauen Gegenden versahen. 1882 errichteten sie ihren Hauptstützpunkt in der kleinen Siedlung Pile O¹Bones Creek, dem späteren Regina. Von dort begann eine Art Siegeszug dieser in Rot gekleideten Polizeitruppe, denn noch heute ist sie ein Symbol für Kanada. Wenn auch mit vielen Klischees behaftet.

Die traditionellen roten Uniformen werden nur noch zu zeremoniellen Anlässen getragen. Um einen Blick auf einen schmucken Mountie hoch zu Ross zu erhaschen, muss man schon viel Glück haben. Die größten Chancen hat, wer sich das Parlament in Ottawa anschaut. Die RCMP zählt heute zu den modernsten und besten Polizeitruppen der Welt. Nachwuchssorgen hat man dort nicht. Ausgebildet werden die jungen Kadetten immer noch in Regina.

In der Hauptstadt der Provinz wird die Geschichte der Mounties lebendig gehalten nicht nur im RCMP Centennial Museum and Depot. In Regina leben knapp 200000 Menschen unterschiedlichster Abstammung. Sie ist ein Spiegelbild für
alle anderen Städte der Provinz. In Saskatchewan, das in Form eines Rechteckes in der Mitte Kanadas liegt, leben etwas über eine Million Menschen. Die Bevölkerung ist die einzige in ganz Kanada, die nicht mehrheitlich britischer oder französischer Herkunft ist. Ihre ethnische Vielfalt ist groß: deutsch, ukrainisch, skandinavisch, indianisch, niederländisch, polnisch, russisch, aber auch britisch und französisch.

Die Menschen lebten früher überwiegend von der Landwirtschaft, aber auch die reichen, mineralischen Vorkommen wie Kali, Uran, Kohle und Erdöl sowie Erdgas sorgten und sorgen für Wohlstand. Die Farmer haben trotz schwerer Zeiten nach der Weltwirtschaftskrise (1929) mit einem Jahrzehnt der Trockenheit und schlechter Ernten bis heute ihre bedeutende Stellung in der Wirtschaft des Landes behauptet. Neben Raps, Roggen, Hafer, Gerste und Flachs wird hauptsächlich Weizen angebaut (Saskatchewan liefert 28 Prozent der gesamten kanadischen Getreideproduktion).

Der Weizen ist es auch, der zur Erntezeit im Spätsommer das Land in mattes Gold taucht. Und wenn diese Zeit gekommen ist, dann blickt man ruhig in die scheinbar endlose Weite, die von keinem Baum und keinem Hügel unterbrochen wird, und denkt sich: „Die Rocky Mountains sind ja ganz hübsch, aber irgendwie versperren sie die Sicht."

Bilder: Kerstin Wahl (4), Sasktourism (5)

Erschienen: Zeitungsgruppe Zentralhessen (Gießener Anzeiger, Usinger Anzeiger, Kreis Anzeiger, Lauterbacher Anzeiger, Gelnhäuser Tagblatt)

     
 
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