
Der Milford Sound ist eine der faszinierensten Landschaften Neuseelands.

Tanz auf dem Vulkan: In Rotoura wird heißes Wasser aus dem inneren der Erde in die Luft geblasen.

Ein Maori-Krieger zeigt stolz seine Kriegsbemalung.

Der Kiwi ist nachts aktiv und das Wappentier der Inselgruppe.

Auckland ist die größte Stadt auf der Nordinsel. Hier pulsiert das Leben.

Wale tummeln sich vor den Küsten der beiden Inseln.

Pinguine kann man am südlichen Zipfel der Südinsel beobachten.

Mud-Pools, kleine Seen aus heißem Schlamm, sind kleine Kunstwerke, die sich ständig verändern.

Der Farn bedeckt weite Teile der Inseln.

Auf dem St.-Josephs-Gletscher auf der Südinsel werden für Touristen geführte Touren angeboten.
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AUKLAND. „Aotearoa“, das Land der langen weißen Wolke, hat viele Gesichter. Mal wild romantisch, mal kalt und abweisend, mal sanft und unberührt. Wer den Inselstaat im Südpazifik besucht, erlebt ein Wechselbad der Gefühle. Und ist berauscht von Neuseelands Regenwäldern, Gletschern, Südsee-Stränden, Hochgebirgszügen, saftigem Weideland und Vulkanen.
Doch so unvorhersehbar es ist, was die Natur an der nächsten Wegbiegung bereithält, so verlässlich sind die Menschen. Die Neuseeländer, die sich „Kiwis“ nennen, sind freundlich und gelassen. Kein Wunder, haben sie doch mehr Platz um sich herum als anderswo. Sie leben in einem der am geringsten bevölkerten Länder der Welt. Es ist ein multikulturelles Völkchen, das so fern ab am anderen Ende der Erde zu Hause ist. Dort wo die Jahreszeiten denen der Nordhalbkugel genau entgegengesetzt sind. „Kiwis“, das sind die Maori, die neuseeländischen Ureinwohner, genauso wie die „Pakeha“, die weißen Söhne und Töchter der europäischen Einwanderer.
Es waren die Vorfahren der Maori, die vor über 1000 Jahren zum ersten Mal an der Küste der beiden Inseln an Land gingen. Ein Seefahrer namens Kupe soll es gewesen sein, der sein Boot in Richtung des Eilandes steuerte. Und es „Aotearoa“, das Land der langen weißen Wolke, nannte. So heißt es in der Legende der polynesischen Ureinwohner. Die Maori ließen sich auf den beiden Inseln nieder. Auch heute sind sie mit ihrer lebendigen und dynamischen Kultur präsent, vor allem auf der Nordinsel. Ihre Traditionen und Bräuche haben sie über die Jahrhunderte bewahrt. Sie sind berühmt für ihr handwerkliches und künstlerisches Können, ihre sportlichen Leistungen, ihre Lieder, Tänze und ihre Aufführungen. Wer an einer ihrer traditionellen Versammlungen, Marae genannt, teilgenommen, einem Kriegstanz beigewohnt hat, der wird die enorme Kraft und den Stolz dieses Volkes spüren. Und ganz nebenbei erfahren, warum die am ganzen Körper tätowierten Krieger die Furcht erregenden Rufe ausstoßen und ihrem Gegner die Zunge zeigen.
Der erste Europäer, der an der Küste der Doppelinsel im Südpazifik vor Anker ging, war der holländische Seefahrer Abel Tasman. Das war im Jahr 1642. Über ein Jahrhundert später, 1769, beanspruchte Kapitän James Cook die Inseln für England. In der Folgezeit strebten immer mehr Europäer, meist britischer Herkunft, in das Land am Ende der Welt. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern, die schließlich 1840 beigelegt werden konnten. Häuptlinge der Maori sowie Vertreter der britischen Krone unterzeichneten den „Vertrag von Waitangi“. Es ist das Gründungsdokument, das Land und Menschen zu einer Nation verband.
Neuseeland gehört zum British Commonwealth of Nations. Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II. von Großbritannien. Von den „Kiwis“ sind 79 Prozent europäischer Abstammung, 14 Prozent Polynesier. Landessprachen sind sowohl Englisch als auch Maori. In dem Inselstaat, der ungefähr die Größe Japans hat, leben rund 3,8 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Das Land der aufgehenden Sonne hat 127 Millionen Einwohner. Neuseeland zählt damit zu den am geringsten bevölkerten Ländern der Welt. Wer aber sind diese Männer und Frauen, die sich mit einem Gummiseil an den Füßen von Brücken in die Tiefe stürzen? Mit Bungee-Jumping machen die „Kiwis“ unter anderem weltweit auf sich aufmerksam. Mal ganz abgesehen davon, dass wirklich jeder den neuseeländischen Exportschlager, die braune haarige Frucht mit dem grünen, süßen Fruchtfleisch, kennt. Gehen wir auf die Suche nach dem Geheimnis der „Kiwi“-Seele. Da gibt es ganz bestimmte Eigenschaften, die das Leben in Neuseeland ¬ und mit den Neuseeländern ¬ extrem erleichtern. Etwa die stete Bereitschaft zu spontanen Barbecue-Partys oder dazu, einen Großteil seiner Freizeit in freier Natur zu verbringen. Außerdem kann es nicht schaden, alles ein bisschen lockerer zu sehen. Der Satz „wenn es morgen nicht regnet, wird es schön“ ist zum Beispiel die verlässliche Wettervorhersage eines „Kiwi“. Der Neuseeländer liebt es, Sport zu treiben. Und die Landschaft bietet ihm dazu die vielfältigsten Möglichkeiten. So hat einmal ein Reisender gesagt, dass „das Land vielleicht das schönste und beste Turngerät der Welt ist“. Segeln steht ganz oben auf der Beliebtheitsskala, gefolgt unter anderem von Rafting, Jetboating, Windsurfen, Skifahren, Bergsteigen, Golf, Tennis und Kricket. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Träume leben
Der Neuseeländer sagt gerne von sich, dass er seine Träume lebt. So verwundert es nicht, dass viele in ihrem Leben öfter einmal etwas Neues anfangen. Denn das gilt den „Kiwis“ als Wert an sich. Und so trifft man schon einmal auf einen Banker, der sein Leben völlig umkrempelte, um schließlich Kajaktouren für Touristen in einem Nationalpark anzubieten. Seine Träume leben. Ja, aber bitte niemals auf Kosten der Natur. Die „Kiwis“ wissen um ihren großen Schatz: ein Land mit schneebedeckten Bergspitze, goldenen Stränden, glitzernden See, üppig grünen Wäldern und Vulkanen. Auf den beiden Inseln im Südpazifik spiegeln sich bei genauerer Betrachtung viele Kleinode der ganzen Welt wider. Die gewaltigen Fjorde Norwegens, die brodelnden Geysire Islands, die gewaltigen Gletscher Alaskas, die Regenwälder Südamerikas, die weißen Strände der Karibik und die saftig grünen wiesen Irlands. All das ist auf knapp 266000 Quadratkilometern zu finden.
„Haere Mai“, willkommen in Neuseeland. Wer seinen Fuß auf die Inseln setzt und dieses faszinierende Land am anderen Ende der Welt entdecken, das Gefühl der Freiheit und Ruhe erfahren, die gewaltigen Naturlandschaften genießen will, der sollte vor allem eine mitbringen: Zeit. In dem Land, das zu einem Drittel unter Naturschutz steht, in dem Regenwälder, Gletschereis und Vulkane in trauter Nachbarschaft liegen, ist Wandern daher nichts anderes als eine Philosophie. Die Bekanntesten der neuseeländischen Wanderwege, die acht „Great Walks“ genießen Weltruhm. Allen voran der „Milford Track“, den der Dschungelbuch-Autor und weit gereiste Journalist Rudyard Kipling einmal als „achtes Weltwunder“ bezeichnete. Jeder Neuseeländer (und nicht nur der) träumt davon, einmal diesen geschichtsträchtigen, 54 Kilometer langen Weg von der Nordsitze des Lake Te Anau bis zum Milford Sound, dem berühmtesten der neuseeländischen Fjorde, zu gehen. Um die Naturlandschaften zu schützen, gibt es strenge Beschränkungen. Auf dem „Milford Track“ werden zum Beispiel während der Saison von Ende Oktober bis Mittel April nur 40 Wanderer pro Tag zugelassen. Eine gute Beschilderung sorgt dafür, dass weder Touristen noch Einheimische vom Weg abkommen. Keinen Müll zu hinterlassen, versteht sich da von selbst. Der Gnade der späten Entdeckung durch die Europäer ist es zu verdanken, dass am anderen Ende der Welt ein Juwel erhalten geblieben ist. Die einzigartige Flora und Fauna wird inzwischen in den vielen Nationalparks geschützt.
Ein Viertel des Landes, vor allem im Hochland, ist von Wäldern bedeckt. Der typische neuseeländische Wald ist ein immergrüner Regenwald mit gemäßigtem Klima, in dem riesige Farnbäume und Kletterpflanzen wachsen. Er entspricht damit in etwa der landläufigen Vorstellung von „Dschungel“. Die mächtige Kauri-Fichte, einer der größten Bäume der Welt, ist mittlerweile auf kleine Waldflächen in Northland und auf die Coromandel-Halbinsel beschränkt. Vor 80 Millionen Jahren war es, als Neuseeland von den übrigen Landmassen getrennt wurde. Dank dieser geologischen Gegebenheiten konnte sich auf den beiden Inseln eine einzigartige Tierwelt entwickeln. Raubtiere sucht man vergeblich in Neuseeland und so verwundert es nicht, dass einige Vögel im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte das Fliegen verlernten. So ist zum Beispiel der braune, etwas tumb wirkende Kiwi, das inoffizielle Nationalsymbol des Landes, auf dem Boden Zuhause. Auch der Weka ist flugunfähig und der bedrohte Kakapo, der größte Papagei der Welt, kann nur mit Mühe auf Sträucher oder kleine Bäume flattern. Neuseeland ist aber nicht nur das Land der Naturschönheiten, der Kiwi-Plantagen oder abgelegenen Schaffarmen (auf beiden Inseln leben immer noch mehr Schafe als Menschen).
Es gibt auch eine Vielzahl moderner Weltstädte. Die größte Stadt des Landes ist Auckland. Die Metropole auf der Nordinsel wird auch die heimliche Hauptstadt Neuseeland genannt. In Auckland leben auch über 200000 Menschen polynesischer Abstammung. Die Einwanderer von den Pazifikinseln und die Maori machen Auckland zur größten polynesischen Stadt der Welt. Dieser Einfluss ist in manchen Stadtteilen unübersehbar und verleiht einen ganz eigenen Charme. Dunedin auf der Südinsel dagegen kann seinen schottischen Charakter nicht verbergen. Pubs, Dudelsack und eine Whisky-Destillerie sind eindeutige Hinweise auf die Gründungsväter. Hauptstadt Neuseelands ist Wellington, am südlichen Zipfel der Nordinsel rund um einen hufeisenförmigen tiefen Naturhafen gelegen. Die „Roaring Forties“, die Westwinde am 40. Breitengrad blasen hier doch recht ordentlich.
Und so kann sich hier das Wetter recht schnell ändern. Aber daran sind die Neuseeländer ja gewöhnt. Warum sonst antworten sie so häufig auf die Frage, wie morgen das Wetter wird, mit dem Satz „wenn es morgen nicht regnet, wird es schön“. Und lächeln dabei.
Bilder: Kerstin Wahl (3), Neuseeland Tourism (7)
Erschienen: Zeitungsgruppe Zentralhessen (Gießener Anzeiger, Usinger Anzeiger, Kreis Anzeiger, Lauterbacher Anzeiger, Gelnhäuser Tagblatt)
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